Die Freiwillige Feuerwehr Seitingen wurde am 21.03.1931 gegründet. Aus den schriftlichen Überlieferungen geht hervor, dass 60 Männer bei der Gründungsversammlung anwesend waren. Dies war allerdings keine Neugründung, denn bereits im 18. Jahrhundert, so ist aus mündlichen Überlieferungen bekannt, gab es eine Feuerwehr in Seitingen. Damals bezeichnete man diese noch als Pflichtwehr. Im Gasthaus Bären wurden die Unterlagen aus der damaligen
Zeit aufbewahrt, welche bei einem Brand dessen Datum mir nicht bekannt ist, vernichtet wurden. In der Landes-Feuerlöschordnung vom 24. November wird die freiwillige Feuerwehr Sei-tingen 1885 erwähnt.
Anton Merz wurde 1931 in der Hauptversammlung der neu gegründeten Feuerwehr zum Kommandanten gewählt. Die Löschgeräte die damals zu Verfügung standen, waren aus heutiger Sicht eher primitiv. Vorhanden waren eine Handpumpenspritze die man mit einem Pferdegespann im Notfall ziehen musste, ein Hydrantenkarren
und Leitern. an eine persönliche Schutzausrüstung wie sie heute zur Standardausrüstung in einem Feuerwehrfahrzeug gehört war überhaupt noch nicht zu denken. Einen der ersten Einsätze hatte die Feuerwehr am 15. Juli 1932. Das Gebäude der Witwe Keller brannte bis auf die Grundmauern nieder.
Bereits am 18. Juli kam der nächste Alarm. Das Haus des Emil Lang wurde ein Raub der Flammen und brannte ebenfalls bis auf die Grundmauern nieder. In der Hauptversammlung am 17.04.1936 gab Anton Merz sein Amt an Leopold Betting
ab, der die noch junge Feuerwehr bis 1969 als Kommandant leitete. Einer der größten Brände in der Geschichte der Feuerwehr war der Brand in der Bruckmühle in Seitingen. Dieser Brand ereignete sich am 28.Januar 1939. Das gesamte Gebäude wurde ein Raub der Flammen. Der August 1939 brachte genau das Ge-genteil, zuviel Wasser. Nach schweren Gewittern stand das ganze „Moos“ unter Wasser. Besonders schlimm traf es die Häuser Ernst Zepf und Distel. Genau 14 Tage später wiederholte sich das ganze noch mal, als das ganze „Moos“ überflutet wurde.
Oberflacht, ein Kilometer von Seitingen entfernt, hatte ebenfalls eine Feuerwehr. Deren Geschichte fängt schon etwas früher an. Dank der schriftlichen Aufzeichnungen von Karl Schröder sen. aus Oberflacht ist hier noch einiges aus der Geschichte bekannt. Der erste Kommandant in Oberflacht war Otto Lehmann, seiner-zeit Schmid.
Er wurde am 30.06.1846 abgelöst durch Josef Schmid und Michael Ilg.
Eine Feuerwehr im heutigen Sinne gab es damals noch nicht. Der Kommandant war mehr ein Feuerschauer, der bei den Bürgern die Häuser begutachtete und sie auf die möglichen Gefahren hinwies. Er hatte ein Feuerwehrhorn mit dem er Alarm blies, um seine ausgesuchten Männer herbeieilen zu lassen. Diese halfen dann den Brand mit Eimern zu löschen. Im August 1886 wurde in Oberflacht die Pflichtfeuerwehr gegründet. Im Jahre 1888 zählte die Dienstfeuerwehr 63 Mann. Im Jahre 1910 nahm die Feuerwehr Oberflacht am Landesfeuerwehrtag in Göppingen teil. Zu diesem Feuerwehrtag steuerte die Gemeinde 30 Pfennig/Person als Zehrgeld bei. 1913 gab es für die Feuerwehr Oberflacht neue Röcke, die Leopold Bauer, Schneider in Oberflacht anfertigte. Auch die Inflation machte vor Oberflacht keinen Halt. 1922 gab es aus der Gemeindekasse 700 DM. Für den Spritzenmeister waren es im
November 1923 monatlich 10 Milliarden DM. Am 01. Februar 1924 hatte das Geld scheffeln ein Ende; er bekam eine DM und nicht mehr.
1933 wurde die Pflichtfeuerwehr Oberflacht in Freiwillige Feuerwehr Oberflacht umbenannt. Der Kommandant von 1930, Adolf Schrenk blieb Chef der Feuerwehr. Damals wurde mit der Feuerwehr noch exerziert und am Rathaus zum Dienst angetreten. 1936 wurde Karl Buschle zum Kommandant gewählt.
Er blieb dies über die Kriegs-Jahre in Oberflacht, bis dann 1946 sein Nachfolger Alfons Wintermantel gewählt wird. Das Amt des Kommandanten hatte er bis 1970 inne. Die damalige Handfeuerwehrspritze wurde 1956 von der Gemeinde verkauft. Am 23.11.1958 erhielt die Feuerwehr Oberflacht eine TS 8 Tragkraftspritze als Anhänger. Der Anhänger diente 19 Jahre lang als Einsatzfahrzeug. 1977 bekam die Feuerwehr Oberflacht ein neues Feuerwehrauto. Ein noch vorliegendes Ange-bot der Firma Wichert aus Donaueschingen bezifferte die Gesamtkosten auf 38.274 DM, heute ca. 19.570 Euro. Am 26.11.1977 wurde das TSF Fahrzeug an die Feuerwehr Oberflacht ausgeliefert. Eine Einweihung hat für dieses Fahrzeug hatte nicht stattgefunden. 1970 wurde Josef Ilg zum neuen Feuerwehrkommandanten in Oberflacht gewählt; er war bis 1980 Kommandant. 1980 wird für ein Jahr Karl Schröder junior Kommandant, er heiratete dann auswärts und gab deshalb sein Amt an Herbert Fuchs ab. 1983 ist die Feuerwehr Oberflacht ist noch im alten Schulgebäude in Oberflacht untergebracht. Sie stellt den Antrag auf den Umbau des alten Farrenstalls. Aus Geldmangel seitens der Gemeinde Seitingen-Oberflacht wird die Zustimmung für den Umbau nur unter der Voraussetzung erteilt, dass Eigenleistungen erbracht werden. Das notwendige Material wurde von der Gemeinde bezahlt. In über 1.400 Arbeitsstunden gelang es, diesen Umbau zu realisieren. Am 23./24.06.1984 konnte das neue Magazin eingeweiht werden. Gleichzeitig mit der Einweihung feierte die Freiwillige Feuerwehr Oberflacht ihr 50-
jähriges Jubiläum an dem zahlreiche Mitglieder für viele Dienstjahre in der Feuerwehr geehrt wurden. 1983 plädierten die Feuerwehrkameraden aus Oberflacht für den Zusammenschluss, wobei die beiden bestehenden Feuerwehren als Ortsteil-Feuerwehren bleiben sollten.
Aus einer Rede von 1984: „Wir wissen, dass es in unserer Gemeinde viele Bürger gibt, die den Zusammenschluss der Feuerwehren Seitingen und Oberflacht fordern. Auch wir sind im Grunde für den Zusammenschluss, nur glauben wir nicht, dass er sich, auch wegen der damit verbundenen finanzieller Belastung für die Gemeinde, in absehbarer Zeit realisieren lässt“.
1982 tritt Herbert Fuchs das Amt des Kommandanten an. 1985 war es dann soweit, nach langen Gesprächen mit
der Feuerwehr Seitingen wurde aus zwei Feuerwehren eine Gesamtfeuerwehr gegründet. Diese bestand aus zwei Abteilungen, dem Gesamtkommandanten Werner Schindler und dem Abteilungskommandanten war Dietmar Ilg.
Die Abteilung Oberflacht blieb bis Oktober 2000 in ihrem Magazin.
Krieg und Nachkriegjahre
Am 1. September 1939 begann eines der dunkelsten Kapitel in der Geschichte der heutigen Bundesrepublik Deutschland und auch der Feuerwehr. Viele Feuerwehrkameraden mussten im Krieg ihr Leben lassen. Vor allem in den Großstädten kamen viele bei Löscharbeiten durch den Bombenhagel ums Leben. Was Seitingen betrifft,
so wurde die Feuerwehrmannschaft für Fliegerangriffe besonders geschult. Auch wurde die Feuerwehr zweckentfremdet.
Politische Schulungen wurden durchgeführt, Nachtmärsche und sogar Schießübungen wurden abgehalten. Schon am 17. September 1939 waren bereits 14 Feuerwehrkameraden im Krieg. Durch weitere Einberufungen wurde die gesamte Feuerwehr stark dezimiert, so dass es im Falle eines Unglückes fraglich gewesen wäre, einen erfolgreich
Einsatz meistern zu können. Die hinterlassenen Lücken in der Feuerwehr mussten wieder neu gefüllt werden. Männer bis zum 65. Lebensjahr wurden verpflichtet, denn sieben Kameraden verloren in diesem Krieg sinnlos ihr Leben. Das Kriegsende brachte den völligen Zerfall im Feuerwehrwesen mit sich. Am 29. 07.1944 war die letzte Übung vor dem Zusammenbruch. Unter der Anordnung des französischen Kreiskommandanten wurde am 11.11.1945 mit der Neuaufstellung der Freiwilligen Feuerwehr Seitingen begonnen. Mit viel Elan ging man daran, die Mannschaften auszubilden um für einen eventuellen Unglücksfall gerüstet zu sein. Mit einer Mannschaftsstärke von 48 Männern fing die Freiwillige Feuerwehr wieder neu an. Die große Euphorie schien nur von kurzer Dauer, denn nur zwei Jahre später schrumpfte die Mannschaftsstärke auf nur noch 18 Mitglieder in der Feuerwehr Seitingen. Soweit dies aus den vorliegenden Kommandantenbüchern hervorgeht, gab es in der Zeit von 1945 bis 1951 keine größeren Ereignisse oder Schadensfälle, so dass in dieser Zeit die Wehrmänner der Feuerwehr hauptsächlich mit Übungen beschäftigt waren. Lediglich am 19.12.1950 gab es einen Zimmerbrand bei Karl Merz.
Neu Ära
Im Februar 1951, die Bundesrepublik befand sich im Wirtschaftsaufschwung, er-hielt die Freiwillige Feuerwehr Seitingen ihre erste Motorpumpe, eine TS6/6 im Hänger geliefert. Das war ein Quantensprung in der feuerwehrtechnischen Ausrüs-tung. Durch den Besitz von über 360 Hektar Wald der sich im Gemeindebesitz Seitingen befand, sah der damalige Kommandant Leopold Bötting weise voraus, dass durch die zunehmende Industrialisierung und fortschreitende Mobilität der Bürger eine Gefahr für den Wald bestand. Er erkannte
die Notwendigkeit dem Wald mehr Beachtung zu schenken. Die erste Waldbrandübung fand am 19.04.1953 statt. Die Übung wurde am „Galgen“ unter der Leitung des damaligen Forstmeisters durchgeführt. Da diese Waldgebiete direkt an jene von Wurmlingen und Rietheim-Weilheim angrenzen, hielt man in den folgenden Jahren diese Waldbrandübungen gemeinsam ab. Mit dabei war auch immer die Stützpunktwehr aus Tuttlingen. In den folgenden Jahren bestanden die Übungen hauptsächlich aus der Ausbildung an den vorhandenen technischen Geräten, allen voran der Motorpumpe TS 6/6. Im Durchschnitt wurden 8-10 Übungen im Jahr angesetzt. Lediglich zwei Einsätze finden sich in den Jahren 1955 bis 1966 im Kommandantenbuch des damaligen Kommandanten Betting wieder.
Am 19.02.1955 entstand in der damaligen Schrei-nerei Georg Merz ein Kleinbrand. Am 28.07.1955 war ein Einsatz wegen Hochwasser an der Elta. Die Freiwillige Feuerwehr war bis März 1966 im Hagenstall in Seitingen untergebracht. Durch den Neubau des Rathauses war es möglich, für die Wehr eine neue Bleibe zu finden. Das neue Feuerwehrmagazin befand sich nun direkt neben dem Rathaus. Danach kam auch schon bald ein neues Fahrzeug zum bescheidenen Fuhrpark der Feuerwehr hinzu. Am 09.09.1966 konnte das Fahrzeug durch die Feuerwehrangehörigen entgegengenommen werden. Ein TSF auf Basis Ford Transit wurde gekauft. Bis 1987 sollte dieses Fahrzeug in Dienst der Feuerwehr stehen. Das Neue TSF brachte viele Vorteile in der Brandbekämpfung mit sich. Man hatte nun eine Pumpe auf vier Rädern mit einem eigenen Motor. Die Wehr konnte in Win-deseile zum Einsatzort gelangen, ohne auf fremde Hilfe angewiesen zu sein. Die technische Ausstattung war um ein Vielfaches besser geworden. Leitern waren an Bord, mehr Schlauchmaterial und das allerwichtigste, eine starke Pumpe. Mit dem neuen Fahrzeug wurden nun die Proben abgehalten, um mit der neuen Technik schnell vertraut zu werden. Nach 33 Jahren als Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Seitingen gab Leopold Betting sein Amt als Kommandant ab. Sein Nachfolger wurde Wilhelm Merz, der das Amt zwei Jahre bis 1971 inne hatte. In der Hauptversammlung am 29.01.1971 wurde sein Nachfolger Georg Bänsch gewählt, der heute Ehrenkommandant der Wehr ist.
Unter Kommandant Bänsch wurden die Übungen intensiviert. Durch die zunehmenden technischen Neuerungen in der modernen Industriegesellschaft kam die Feuerwehr immer mehr mit modernen Stoffen in Berührung. Aus diesem Grund wurden auch Angehörige der Freiwilligen Feuerwehr zur weiteren Ausbildung auf Kreisebene angemeldet. So konnten vorwiegend Maschinistenlehrgänge und Gruppenführerlehrgänge besucht werden. Eine
Neuregelung in der Dienstgradeinteilung wurde beschlossen, die nach Dienstjahren und Ausbildungsstand er-folgte. Kommandant Bänsch blieb seinem Amt bis 1984 treu. Am 19.03.1984 stellte er sein Amt zu Verfügung. Nach 13 Jahren als Kommandant übergab er sein Amt an Werner Schindler, der in der damaligen Hauptversammlung ein-stimmig gewählt wurde. Unter dem neuen Kommandanten Schindler erfolgte ein Jahr später die Fusion mit
der Feuerwehr Oberflacht.
50-jähriges Jubiläum der Feuerwehr Seitingen
Vom 29.05. bis zum 31.05.1981 konnte die Feuerwehr Seitingen ihr 50-jähriges Bestehen feiern. Damals wurde ein Festzelt aufgebaut und drei Tage lang gefei-ert. Mit einem Umzug am Sonntag, bei dem viele Gastwehren anwesend waren, erreichte das Fest seinen Höhepunkt. Die ganze Gemeinde nahm daran teil.
Der Zusammenschluss: Zäh und langwierig
1975 kam die Gemeindereform. Seitingen und Oberflacht, bisher zwei selbst-ständige Gemeinden, wurden zur Gemeinde „Seitingen-Oberflacht“ zusammen-geschlossen; doch die beiden Feuerwehren blieben getrennt. Sie konnten sich zur damaligen Zeit noch über einen Zusammenschluss einigen. In einer Ausschusssitzung vom 01.04.1976 wurde zum ersten Mal über eine Fusion der beiden Feuerwehren gesprochen. Von einigen Kameraden wurde angeregt, über einen möglich Zusammenschluss der beiden Wehren zu diskutieren. Eine ge-meinsame Sitzung, bei der man über diese ernsthaften Probleme beraten sollte, wurde nicht ausgeschlossen. Nur sehr langsam und vorsichtig näherten sich die beiden eigenständigen Feuerwehren. Aus einer Sitzung vom 21.09.1977
geht hervor: „Die diesjährige Abschlussübung soll auf Anregung einiger Anwesenden gemeinsam mit der Freiwilligen Feuerwehr Oberflacht abgehalten werden“. Am 04.11.1978 lud man dann die Feuerwehrkameraden aus Oberflacht zu einer ge-meinsamen Übung ein. Brandobjekt war die Hohner-Filiale in Seitingen. Nach Ansicht der anwesenden Kritiker klappte alles wie geplant. Ab 1979 fanden nun wenigstens die Abschlussübungen gemeinsam statt.
Am 03.11.1979 wurde nun die erste gemeinsame Übung in Oberflacht auf dem Gelände der Firma Rieß abgehalten. Die Waldbrandübungen wurden zu einer Institution in Seitingen auch die „Oberflachter“ durften ab 1976 daran teilnehmen. 1985, genau am 16.12., konnte man nach langen Gesprächen im Vorfeld, die Mitglieder der beiden Ortswehren Seitingen und Oberflacht zur ersten gemein-samen Hauptversammlung einladen. Man wollte über die Zusammenlegung der beiden Wehren zu einer Gesamtwehr beraten. Nachdem Bürgermeister Bisser seine Vorstellungen vorgetragen hatte, gab es eine ausführliche Diskussion darüber wie es in Zukunft laufen sollte. Auch die beiden damaligen Kommandanten Herbert Fuchs aus Oberflacht und Werner Schindler aus Seitingen brachten ihre Vorschläge mit ein. Nach reichlicher Diskussion einigten sich beide Parteien auf eine Gesamtwehr mit zwei Abteilungen, einem Gesamtkommandanten und zwei Abteilungskommandanten. Gesamtkommandant wurde Werner Schindler, Abteilungskommandant für Oberflacht Herbert Fuchs und für Seitingen bis zur nächsten Wahl
Werner Schindler. Auf dem Papier war man nun zusammen, getrennte Räume und Gerätschaften bestanden aber noch immer, so dass eine richtige Vereinigung beider Abteilun-gen Jahre später zustande kommen sollte. Feste wie der traditionelle Feuerwehr-hock der Seitinger wurden immer alleine ausgetragen. Ebenso die der Oberflachter Wehr. Die gemeinsamen Übungen beschränkten sich auf einige wenige pro Jahr. Die Hauptversammlungen wurden dann aber ab 1987 gemeinsam abgehalten.
Das Neue LF8
Am 08.09.1986 erhielt die Feuerwehr ein neues Fahrzeug. Das alte TSF, welches seit 1966 im Einsatz war, stand vor der Ausmusterung. Ein ganzes Arsenal von Vorführfahrzeugen stand zur Besichtigung bereit. Das TSF war nicht mehr um-rüstbar und es fehlten einige wichtige Geräte, um einen Feuerwehr-einsatz aus heutiger Sicht sinnvoll durchführen zu können. Nach langen Überlegungen, die auch im Gemeinderat heftig diskutiert wurden, entschieden sich die „Seitinger-Oberflachter“ für ein neues Fahrzeug der Firma Daimler Benz mit Ziegler-Aufbau, welches den damals neuesten technischen Anforderungen entsprach. Durch die neue Löschtechnik war man nun in der Lage, unter Pressluft-atmer in ein Haus zu gehen. Erste Überlegungen zur Anschaffung von Atemschutzgeräte wurden bereits 1982, noch unter Georg Bänsch, gemacht. Vom damaligen Stand der Technik war die Wehr mit dem TSF meilenweit weg. Mit dem neuen LF8 hatte man zwei Pumpen mit gleicher Leistung, sowie richtige Mannschaftsplätze und viel mehr Gerätschaften an Bord.
Aber auch am neuen Fahrzeug wurde wiederum gespart. Der technische Hilfe-leistungssatz Schere und Spreitzer fiel den Sparvorschlägen des Gemeinderates zum Opfer. Er konnte erst später gekauft werden. Am 08./09.08.1987 wurde das neue Fahrzeug feierlich durch Herrn Pfarrer Kille eingeweiht. Unter großer Anteilnahme der Bevölkerung konnte es vorgeführt werden. Standort für das neue LF8 war Seitingen.
In der Hauptversammlung am 20.02.1987 gab Werner Schindler sein Amt als Abteilungskommandant ab.
Neu in dieses Amt wurde Roland Sulzmann gewählt.
Er sollte zukünftig die Abt. Seitingen leiten. Werner Schindler wurde daraufhin zum neuen Gesamt-
kommandanten gewählt. Stellvertreter des Gesamtkommandanten wurde Dietmar Ilg.
Jugendfeuerwehr
1987 wurde eine große Aktion “Neue Leute in der Feuerwehr“ durchgeführt. Die damaligen Verantwortlichen sprachen bei geeigneten "feuerwehrtauglichen Jugendlichen" vor, um sie für den Dienst zu werben. 12 Jugendliche konnten so für die Feuerwehr Seitingen gewonnen werden. Die Abt. Oberflacht führte die Wer-beaktion in ihrem Ortsteil durch und konnten 14 Jugendliche gewinnen. Aus dem Hauptbuch geht hervor: “Erstmalig nahmen 26 Feuerwehranwärter an der Hauptversammlung teil“. Der Altersunterschied war dennoch groß, aber die Zukunft war gesichert. Unter den Abt.-Kommandanten fanden regelmäßig Übungen mit den „Neuen“ statt. Sie wurden auch
ordentlich in die „Sitten und Gebräuche“ der ein-zelnen Abteilungen eingeführt.
60Jähriges Jubiläum:
Vom 28. bis 29.09.1991 konnte die Abt. Seitingen ihr 60-jähriges Bestehen feiern. Es wurde ein kleinerer Rahmen für dieses Jubiläum gewählt. Selbstverständlich waren auch die Kameraden der Abteilung Oberflacht voll mit involviert. Einen netten Höhepunkt konnten wir dann am Samstag erleben: Sechs Gründungsmit-glieder aus dem Jahr 1931 konnten für 60 Jahre Feuerwehr geehrt werden. Am Abend gab es Tanz, während der Sonntag mit Frühschoppen und Schauübungen gestaltet wurde.
In der Jahreshauptversammlung am 27.03.1992 stellte Roland Sulzmann sein Amt nach fünf Jahren als Abteilungskommandant zur Verfügung. Neu gewählt wurde Gotthard Dufner, der die Abt. Seitingen zukünftig leitete. Die Einsätze in den 90-er Jahren wurden immer mehr zu technischen Hilfeleistungen. Die einzel-nen Ausbildungen die auf Kreisebene stattfanden, wurden reichlich genutzt um Erfahrungen und den Ausbildungsstand zu erhöhen.
Die Alarmierung änderte sich Anfang der 90er ebenfalls. Die ersten analogen Funkempfänger tauchten auf. Während bisher noch über Sirenen in beiden Orten alarmiert wurde, konnte nun still und leise von statten gehen, ohne das ganze Dorf in Unruhe zu versetzen. 1995 fanden dann erste Feldversuche mit der digi-talen Alarmierung statt.
Auch die Übungen wurden ausgeweitet und mit Nachbarwehren eine Katastro-phenschutzübung durchgeführt, z.B. am 31.03.1995 auf dem "Hohen Karpfen". Auch die Kameradschaft kam nie zu kurz. So machten die beiden Abteilungen im Zweijahresrhythmus beim Dorffest mit. Bei den Kleinfeldturnieren stellten beide Abteilungen regelmäßig eine Mannschaft.
Auch an der Ortsfasnacht wurde mit einem umgebauten PKW teilgenommen. Die Narrenbändel wurden regelmäßig zur Fasnetszeit aufgehängt, was immer noch großen Spaß bereitet und einen Tag Gratisübung an der Feuerwehrleiter für jeden einzelnen bedeutet.
Leistungsabzeichen
Die Freiwillige Feuerwehr hat 1974 angefangen auch Leistungsabzeichen zu absolvieren. So nahm zum Beispiel 1974 die Feuerwehr Oberflacht in Wurmlingen an der Prüfung teil. 1975 ist die Feuerwehr Oberflacht erneut mit zwei Gruppen zum bronzenen Leistungsabzeichen nach Neuhausen ob Eck angetreten.
Im selben Jahr konnte in Göllsdorf ebenfalls das Bronzene erworben werden. 1981 nahm eine Gruppe beim Leistungsabzeichen in Bronze anlässlich eines Kreisfeuerwehrfestes teil. 1979 erwarb die Feuerwehr Seitingen mit zwei Gruppen in Unterkirnach das Abzeichen in Bronze. Das Leistungsabzeichen in Silber bestand am 12.07.1980 die erste Gruppe in Mühlheim. Die
zweite Gruppe musste acht Tage später in Mühlheim noch mal antreten und bestand dann ebenfalls. Das Leistungsabzeichen in Bronze errangen am 04.06.1988 die Jungen
der Abt. Seitingen mit Erfolg in Spaichingen.
Die alten Feuerwehrmagazine
Beide Magazine platzten fast aus allen Nähten. Die Abt. Oberflacht hatte zwar einen Gruppenraum, welchen sie selber bauen mussten.
Ihre Fahrzeughalle bestand aus einer etwas größeren Doppelgarage, in welcher sie sich aber wohlfühlten. Die Abt. Seitingen hauste noch im Anbau des Rathauses von 1966. Zum Umtrunk musste immer die Garage fast leergeräumt werden, damit alle Feuerwehrkameraden Platz hatten.
Der 1991 neu gewählte Bürgermeister Bernhard Flad erkannte das Problem des Platzmangels. Auch andere Vereine waren darum bemüht, sich eine neue Bleibe zu suchen, so auch der Liederkranz Seitingen-Oberflacht. Sie waren zusammen mit anderen Vereinen bisher im Bürgersaal des Rathauses.
Die ehemaligen Feuerwehrmagazine in Seitingen und Oberflacht
In der Hauptversammlung am 22.03.1996 hörte Werner Schindler als Gesamtkommandant auf. Er wurde für 30 Jahre Feuerwehr geehrt und gleichzeitig zum Ehrenkommandanten der Freiwilligen Feuerwehr Seitingen-Oberflacht ernannt.
Dietmar Ilg wurde als sein Nachfolger gewählt. Er hatte nun die Aufgabe, beide Abteilungen näher zusammen zu bringen. Die neuen Abteilungskommandanten wurden für die Abt. Oberflacht Erwin Bisser und für die Abt. Seitingen Gotthard Dufner.
Das neue Feurwehrmaganzin
In der Hauptversammlung am 14.03.1997 gab Bürgermeister Bernhard Flad bekannt, dass vom Gemeinderat ein Grundsatzbeschluss zum Neubau eines neuen Gerätehauses gefasst worden sei. Eine Projektgruppe wurde gebildet um dieses große Anliegen in Angriff zu nehmen. Die Projektgruppe plante dann in der dar-auf folgenden Zeit den Neubau. Der Bürgermeister hatte vor, soviel wie möglich darin unterzubringen. Nur über den Standort wurde man sich nicht gleich einig. Ein Architektenwettbewerb wurde daraufhin ausgeschrieben, der von Architekt Herrmann gewonnen wurde. Aber es sollten noch vier weitere Jahre ins Land ziehen, bis beide Abteilungen in das neue Domizil einziehen konnten.
Mit der Einweihung des neuen Feuerwehrgerätehauses begann die Geschichte der Freiwilligen Feuerwehr Seitingen-Oberflacht neu. Was 1976 begann, wurde vom 04. bis 6.10. 2000 vollendet. Beide ehemaligen Feuerwehren wurden zu einer Gesamtfeuerwehr vereinigt. Die Einweihung fand im kleineren Rahmen mit geladenen Gästen statt. Neben den interessanten Ansprachen wurde unsere neue Bleibe kirchlich geweiht. Den Sonntag gestalteten wir für die Bevölkerung und die umliegenden Wehren, die das Angebot zahlreich wahrnahmen, um sich das Neue Magazin mit dem darin befindliche Gemeindezentrum anzuschauen. Für den musikalischen Rahmen sorgte die "Pfutzgermusig" und der Handharmonikaclub.
Das Jahr 2001 brachte auch gleich noch einen Kommandantenwechsel mit sich. Die beiden bisherigen Stellen der Abteilungskommandanten wurden gestrichen. Nachdem Dietmar Ilg aus beruflichen Gründen nicht mehr kandidierte, wurde Gotthard Dufner zum Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Seitingen/Oberflacht gewählt.
2001 gründete die Feuerwehr auf Veranlassung von Kommandant Gotthard Dufner eine Jugendfeuerwehr,
um den Nachwuchs für die Zukunft zu gewährleisten.
Im neuen Magazin ließ es sich gut leben. Eigene Umkleideräume für die Mannschaft, eine riesige Fahrzeughalle in der problemlos alles untergebracht werden konnte und ein großer Besprechungsraum standen nun der Feuerwehr zur Ver-fügung. Eine Küchenzeile wurde in Eigenleistung von den Feuerwehrkameraden gefertigt und Schränke aufgebaut.
Ein Kommandotisch ist als interne Leitstelle nutzbar, alles in allem eine runde Sache. Nur das neue Auto fehlte eben noch.
In der Hauptversammlung am 04.04.2003 legte Gotthard Dufner sein Amt als Kommandant nieder. Achim Pauli stellte sich dieser Herausforderung und ließ sich zum neuen Kommandanten wählen. Er besuchte anschließend die Feuerwehrschule in Bruchsal, um den Gruppenführerlehrgang zu absolvieren, welcher für dieses Amt notwendig ist.
Das neue Feuerwehrauto
Mitte 2002 begannen nun doch die Planungen für das neue Fahrzeug. Ein extra Ausschuss wurde gebildet, um die Planungen in Angriff zu nehmen. Es stand schon von Anfang an fest, dass es ein „Tanker“ sein sollte, denn es hatte sich gezeigt, dass bei den Unglücksfällen die technischen Hilfe immer mehr im Vor-dergrund stand. Am 01. 05.2005 ging nach fast 2 Jahren Planungszeit der Traum in Erfüllung. Ein neues Feuerwehrauto vom Typ LF10/6 konnte bei der Firma Empl in der Nähe von Berlin abgeholt werden. Am 07.und 08.05.2005 übergab Bürgermeister Bernhard Flad das neue Fahrzeug an die Feuerwehr.
Zwei Tage lang wurde aus dem Magazin und dem angrenzenden Roten Kreuz-Raum ein Festsaal hergerichtet. Die ganze Gemeinde war dazu eingeladen. Am Samstag beim Festakt wurde das Fahrzeug durch die Ortsgeistlichen geweiht, anschließend fand der Festakt im Kreise der geladenen Gäste statt. Am Sonntag durfte sich die Bevölkerung ein Bild vom neuen Fahrzeug machen. Die Einweihung wurde für uns ein voller Erfolg.
Ende der neunziger Jahre veränderte sich das Bild der Feuerwehr. Sie wurde immer mehr zu einer technischen Einsatztruppe. Zahlreiche Einsätze bei Verkehrsunfällen und anderen technischen Hilfeleistungen bezeugen dies.
Diese Chronik wurde anlässlich des 75-jährigen Bestehens der Freiwilligen Feuerwehr Seitingen-Oberflacht von Schriftführer Karl-Wilhelm Lehmann erstellt.